Unbequeme Wahrheiten

Was sind eure unbequemen Wahrheiten?

Woran denkt ihr dabei gerade? An Al Gore?

Kann man machen! Aber wie wäre es statt dessen mit:

  • Die meisten von uns lügen oder heucheln leider immer mal wieder.
  • Die meisten von uns sind nicht so solidarisch und liebevoll, wie sie sich gerne sähen.
  • Die meisten von uns haben ihren Wohlstand gar nicht nur ihrer eigenen Leistung zu verdanken, sondern hatten Glück in diesem Land, in einer bestimmten Familie, Schule, Universität, Firma zu wachsen (und natürlich haben sie dann auch etwas dazu getan…)
  • Wir sind alle gar nicht so großartige unabhängige Self-made-Menschen, wie wir manchmal gerne denken.
    (… wir leben nicht als ein John Wayne sondern, weil wir uns gegenseitig helfen.)
  • Und, natürlich: Wir werden alle sterben.

Gerade über den eigenen Tod zu reden, ist heutzutage ziemlich tabu.

Ungefähr so tabu, wie es noch vor drei Jahren war, ernsthaft über die Konsequenzen der drohenden Klima- Biodiversitäts und Nachhaltigkeitskatastrophen zu sprechen. ☺

Aber machen diese Wahrheiten einen Unterschied für unser Leben?

Ja klar. Wer von uns könnte morgen guten Gewissens sterben? Ich meine nicht gerne, aber guten Gewissens. Das Feld ist bestellt, man ist stolz auf das Erreichte.

Ich leider nicht.

Das gilt sicher nicht für alle. Und nicht alle müssen diese und andere unbequeme Wahrheiten verdrängen. Aber die, die es tun, wissen vermutlich ganz gut, was los ist. Wie anstrengend Verdrängung ist. Und wie gerne man sich mit dem Konsum von Leckereien, Kleidung, Gadgets, Medien und manchmal auch Drogen hilft.

Was wir seit Jahrzehnten in der deutschen Politik erleben, ist eine inzwischen tief in unsere Kultur eingedrungene Haltung der Jetzt-Konsums, der Verdrängung des Morgens.

Diese Haltung hat sicher viele Wurzeln: Von der Unfähigkeit vieler Menschen mit einem möglicherweise jederzeit ausbrechenden weltweiten Atomkrieg umzugehen, bis zur Notwendigkeit der Konsumindustrie, immer wieder neue und größere Märkte zu generieren.

Wir haben uns angewöhnt ganz entspannt im Hier und Jetzt zu leben.

Wir machen keine vorausschauende Klimapolitik. Keine Landwirtschaft, die den Reichtum unseres Naturerbes erhält. Oder auch nur die Böden erhält, damit auch die nächsten Generationen noch Nahrung anbauen können. Keine vorausschauende Rentenpolitik.

Daher noch eine unbequeme Wahrheit:

Unser Lebensstil ist zutiefst unethisch, durch nichts zu rechtfertigen.Wir beuten für unseren Überkonsum die anderen Menschen auf diesem Planeten aus.

Und noch krasser: Wir beuten die Zukunftschancen, die Freiheitschancen unserer eigenen Kinder, Enkel:innen, Nichten und Neffen aus.

Und das, obwohl wir viel weniger sehr gut leben könnten. Ich singe mit meinem jüngeren Sohn manchmal ein Nachtlied. Darin heißt es:

Abends wenn du schläfst, und es ist ganz still im Haus
Abends wenn du schläfst, denk ich mir dein Leben aus
.

Und ich denke was du brauchst, kann so viel nicht sein
Bett und Tisch und Brot und Haus, Bäume, Sonnenschein.

Friede jedem Herz, jedem neuen Erdenkind
Segen dieser Welt, keine Stürme, sanften Wind.

Das ist alles was du brauchst, wachsen und gedeih’n
Ist so wenig und so viel, trete dafür ein!

(gekürzt, genutzt unter Zitatrecht, © Jutta Richter)


Ich bin fest überzeugt dass wir es schaffen können. Dass wir solidarisch die Ärmel hochkrempeln und unseren Hintern hochkriegen können. Das wir alle Regler auf Anschlag schieben können.

Das geht aber nicht, wenn wir weiter in die Katastrophe schlafwandeln, weil wir den unquemen Wahrheiten nicht ins Gesicht sehen können.

Greta Thunberg hatte völlig recht, wenn sie sagt:
You cannot solve a crisis, if you don’t treat it as a crisis.

Ich bin fest überzeugt, dass in 2050 die UN Generalversammlung die Erreichung einer nachhaltigen Welt feiern wird. Und die UN Generalsekretärin oder der Generalsekretär wird sagen:

„Es fällt schwer zu glauben,
dass das, was heute
ein Verbrechen gegen
die Menschlichkeit ist,
früher einmal in Ordnung war“

Das hat früher schon einmal ein Politiker auf einer Feierstunde gesagt. Tony Blair sprach 2006 über die Sklaverei.

Lasst uns mit den Augen der Zukunfts auf die Gegenwart schauen. Lasst uns Kraft daraus gewinnen, dass wir das Unrecht der Gegenwart überwinden werden. So wie wir die Sklaverei weitgehend überwunden haben.

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