The Future of Work — German: Die Zukunft der Arbeit

In Germany, we often worry about the future of work. For example, we fear that digitization makes many activities redundant. Actually, we are afraid of any change and try to delay it as long as possible. Be it the overdue modernization of the auto industry, be it the termination of burning lignite coal. We are afraid of efficiency in the administration, in the banking system, in the IT departments of organizations and companies.

Partly, this is easily understood. Large sections of society have experienced the brutality with which a neoliberal economy has “thrown away” people. And the reaction of the state welfare system often consisted of ineffective retraining programs or a humiliating bureaucracy.

But the worries are, in my opinion, also based on a false view of the future. A view in which all roads, bridges, factories are already built. A view based on the observation that our homes are overflowing with consumer goods. You cannot buy much anymore. The material growth cannot go on forever.

Some of this is correct. But there will not be less work in the future – at least not in the next 100 years. We – the rich and the poor – are facing huge challenges if we – billions of humans – want to live a good life on this planet.

We have built an unsustainable economy, administration, infrastructure, and agriculture. We need to redesign all these to become sustainable. We have created debts to be paid back in the future. Plastic and other chemical residues. Dealing with introduced species. Driving CO2-levels with huge investments downwards. And we also have a long way to go towards respectful and just relations between peoples, races, religions, generations, and gender. Making our world socially and politically sustainable.

Some infrastructures that we think of as an investment for the future will actually have to be eliminated again. Examples are major airports or pipelines. Other infrastructure needs to be drastically improved. To enable electricity-based heavy transport, motorways may require electrical overhead lines (or induction systems in the carriageway). The capacity for electricity distribution grid (in particular the low voltage lines to companies and households) must probably be doubled. All workers facing unemployment due to the end of the coal industry could easily be employed by starting these tasks tomorrow.

“One of the lessons we learned is that if you start too late, you have a problem. We should have started earlier with the coal exit. We should have started earlier with the transformation process to e-mobility. We did it all too late because it was perhaps more convenient to postpone the necessary changes. This is a mistake that foreign countries can learn from.” (Secretary of State for the Environment Jochen Flasbarth, tagesspiegel 17.01.2018, my translation from German)

We leave our children no house in good repair, no well-ordered field.

When I hear complaints about the dim future of work, the following picture comes to my mind again and again: A couple with compulsive hoarding syndrome is sitting on a sofa in their dirty, messy apartment, in front of the running TV, complaining that they are bored and fear they have too little to do in the future.

Outlook: The digital transformation does not mean people become unemployed. The agricultural transition was larger (80% of workforce in 1850, 50% in 1900, 25% in 1950, 3% in 1990, 1.4% in 2014). The real challenge is to stop procrastinating, to change the financial and economic rules (esp. taxation) and to change the rules on retraining and late-in-life career changes. We can do it!


German version:
Die Zukunft der Arbeit

Wir machen uns in Deutschland zurzeit viele Sorgen um die Zukunft der Arbeit. Wir haben Angst vor der Digitalisierung, die viele Tätigkeiten überflüssig machen könnte. Und eigentlich haben wir Angst vor jeder Veränderung und versuchen, sie zu verzögern. Sei es die überfällige Modernisierung der Autoindustrie, sei es der Ausstieg aus der Braunkohle. Wie haben Angst vor Effizienz in der Verwaltung, beim Bankenwesen, in den 1000en kleinen IT-Abteilungen.

Das ist teilweise sehr verständlich. Große Teile der Gesellschaft haben die Brutalität erlebt, mit der eine neoliberal geprägte Wirtschaft Menschen freigestellt und “weggeworfen” hat. Und die Antwort des Sozialstaates in Form von entwürdigender Bürokratie und ineffizienten Umschulungsprogrammen war nicht sehr überzeugend.

Aber die Sorgen beruhen, meiner Ansicht nach, ganz wesentlich auch auf falschen Annahmen. Auf einer Sicht der Zukunft, in der alle Straßen, Brücken, Fabriken schon gebaut sind. Auf einer – durchaus berechtigte – Sicht, dass unsere Wohnungen überquellen vor Konsumgütern. Viel kann man da ja nicht mehr dazukaufen. Das materielle Wachstum kann nicht ewig so weitergehen. Das ist ja richtig.

Falsch ist aber, dass es in absehbarer Zeit weniger Arbeit gäbe. Wir – Reich und Arm – stehen vor einem riesigen Berg von Arbeit, wenn wir – Millarden Menschen auf diesem Planeten – ein gutes Leben führen wollen.

Wir haben eine nicht nachhaltige, d.h. nicht zukunftsfähige Wirtschaft, Verwaltung, Infrastruktur und Landwirtschaft erschaffen. Wir haben noch einen weiten Weg vor uns, um zwischen Völkern, Rassen, Religionen, Generationen und Geschlechtern ein respektvolles und gerechtes Leben zu verwirklichen. All dies muss umgebaut werden, wenn wir gemeinsam mit Milliarden anderen Menschen auf diesem Planeten ein gutes Leben führen wollen.

Manche Infrastruktur, die wir im Moment noch als Investition in die Zukunft ansehen, wird wieder beseitigt werden müssen. Dazu zählen meiner Einschätzung nach ein Großteil der Großflughäfen oder Pipelines. Andere Infrastruktur muss drastisch überarbeitet werden. Autobahnen benötigen elektrische Oberleitungen (oder Induktionssystem in der Fahrbahn) für den Schwertransport. Die Kapazität der Elektrizitätsverteilung (insbesondere Niederspannungsleitungen zu Firmen und Haushalten) muss vermutlich verdoppelt werden. Würde man Investitionen hier vorziehen, könnte man problemlos alle von Arbeitslosigkeit bedrohten Braunkohlearbeiter weiterbeschäftigen.

“Eine der Lehren bei uns ist ja: Wenn du zu spät startest, hast du ein Problem. Wir hätten mit dem Kohleausstieg früher beginnen müssen. Wir hätten mit dem Transformationsprozess hin zu E-Mobilität früher beginnen müssen. Das haben wir alles zu spät gemacht, weil es vielleicht doch ein bisschen bequemer war, die notwendigen Veränderungen aufzuschieben. Das ist ein Fehler, von dem auch das Ausland lernen kann.” (Umweltstaatssekretär Jochen Flasbarth, tagesspiegel 17.01.2018)

Wir hinterlassen unseren Kindern kein gut repariertes Haus. Kein wohl bestelltes Feld.

Bei den Klagen über die Zukunft der Arbeit kommt mir immer wieder folgendes Bild in den Sinn:

Ein Ehepaar mit Messie-Syndrom sitzt in seiner, mit Kleidung, Möbeln, Zeitungen, Büchern, Essensresten, Abfall, usw. völlig überfüllten, verdreckten und vermüllten Wohnung auf dem Sofa vor dem Fernseher und jammert, dass es langweilig sei sie Sorge hätten, in der Zukunft zu wenig zu tun zu haben.

Ausblick: Der Wegfall bestimmter Arbeitsplätze durch Digitalisierung bedeutet nicht automatisch Massenarbeitslosigkeit. Der Umbruch in der Landwirtschaft war z.B. weitaus größer (80 % aller Arbeitsplätze 1850, 50% 1900, 25% 1950, 3% 1990, 1.4% 2014). Die wirklichen Herausforderungen bestehen darin, mit dem Hinausschieben der nötigen Veränderungen aufzuhören, die finanziellen und wirtschaftlichen Regeln (insbesondere in Bezug auf eine Ökosteuerreform) den Realitäten anzupassen, und die Regeln am Arbeitsmarkt so zu gestalten, dass auch im späteren Arbeitsleben sozialverträgliche Umschulungen und Neueinstellungen möglich werden. Das ist alles nicht leicht, aber es ist zu schaffen!


(© Gregor Hagedorn 2018, CC BY-SA 4.0, publ. 2018-02-04, updated 2018-02-16)

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